Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus war der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, gemeinsam mit Freiburger Kooperationspartner*innen – darunter das Kommunale Kino, Fairburg e.V., das Amt für Migration und Integration sowie iz3w – mit zwei gut besuchten Veranstaltungen in Freiburg präsent. Die Abende verbanden fachliche Information, persönliche Zeugenschaft und kulturellen Ausdruck und zeigten, warum die Auseinandersetzung mit Antiziganismus dringend bleibt.
Den Auftakt bildete am 18. März ein von Luisa Lindenthal (VDSR-BW e.V.) moderierter Informations- und Gesprächsabend, den Bürgermeister Ulrich von Kirchbach mit einem Grußwort eröffnete. Er würdigte dabei die langjährige und wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen dem VDSR-BW und der Stadt Freiburg, insbesondere im Rahmen der Projekte ReFIT und INTURO.


Im Mittelpunkt standen Befunde der Melde- und Informationsstelle gegen Antiziganismus (MIA), vorgestellt von Bilge Cömert (MIA Berlin) sowie Ergebnisse der partizipativen Bildungsstudie 2024, die der VDSR-BW selbst mit einem erfahrenen Forscher*nnenteam in Freiburg durchgeführt hatte.
Die Bildungsberaterinnen des Nachbarschaftswerks in Freiburg Weingarten, Coralla Reinhardt und Griassa Reinhardt schilderten eindringlich und konkret, wie sich Antiziganismus im Freiburger Schulsystem äußert.
Ergänzende Praxisberichte, insbesondere ein aktueller Diskriminierungsfall aus Baden-Baden, den Chana Dischereit vom Verband darstellte, vertieften die Diskussion und regten intensive Nachgespräche an. In einer anschließenden Runde tauschten sich Teilnehmende – darunter mehrere Angehörige der Minderheit – über Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten aus.


Eine Woche später, am 25. März, zeigte das Kommunale Kino den Dokumentarfilm „Der offene Blick” von Peter Nestler, der Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma in den Fokus rückt. Der Film macht sichtbar, wie die Mehrheitsgesellschaft über Jahrzehnte stereotype Bilder reproduzierte – und wie heutige Künstlerinnen und Künstler der Minderheit mit eigenen, vielstimmigen Perspektiven Gegenentwürfe schaffen. Musikalische Live-Auftritte von Sunny Franz und seinem Ensemble vor und nach der Vorführung begeisterten das Publikum und unterstrichen diese kulturelle Selbstvertretung eindrucksvoll.

Beide Abende machten deutlich: Antiziganismus wirkt strukturell wie individuell und betrifft Bildung, Teilhabe und Sicherheit. Die Kombination aus dokumentierten Daten, lokalen Erfahrungsberichten und künstlerischer Intervention schuf einen ganzheitlichen Zugang – Information erzeugt Bewusstsein, persönliche Berichte machen Betroffenheit sichtbar, und Kultur stärkt Empowerment und Selbstvertretung.
Der VDSR-BW dankt allen Freiburger Kooperationspartnern für die hervorragende Zusammenarbeit und wird den begonnenen Austausch fortsetzen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die laufende Bildungs- und Projektarbeit des Verbands ein.