Verband prüft Vorwurf gegen Lehrerin
Verband prüft Vorwurf gegen Lehrerin
Pressemitteilung vom 20.02.2026
Pressemitteilung vom 20.02.2026

Am 20.01.2026 soll eine Leh­re­rin der Theo­dor-Heuss Schu­le Baden-Baden einer 10-jäh­ri­gen Schü­le­rin einen Fin­ger gebro­chen haben. Die Fami­lie wen­de­te sich an die Bera­tungs­stel­le des Ver­bands Deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg und zeig­te die Leh­re­rin einen Tag spä­ter bei der Poli­zei an. Das Schul­amt wur­de dar­auf­hin kon­tak­tiert und eine Beschwer­de gegen die Leh­re­rin eingeleitet.

Auro­ra-Mia saß an ihrem Platz und leg­te den Kopf auf ihre auf­ge­stütz­te Hand. Eine Pose, die sie oft beim Nach­den­ken ein­nimmt. Als die Leh­re­rin das sah, schlug sie Auro­ra-Mias Arm auf den Tisch. Das Kind blieb vor Angst sit­zen. Erst als die Schu­le zu Ende war und ihre Mut­ter sie abhol­te, erzähl­te sie, was pas­siert war. Die Mut­ter stell­te dar­auf­hin die Leh­re­rin noch auf dem Schul­ge­län­de zur Rede. Die­se gab zu, dass sie die Hand ihrer Toch­ter auf den Tisch geschla­gen habe, jedoch nur leicht. Der Arzt stell­te am sel­ben Tag fest, dass Auro­ra-Mias Fin­ger­kno­chen gesplit­tert war.

Die Schü­le­rin erfährt nun aller­dings Aus­gren­zung an ihrer Schu­le, weil ihre Fami­lie sich gewehrt hat. Auro­ra-Mia berich­tet, dass sie aktu­ell von Schüler*innen gemie­den wird. Die beschul­dig­te Leh­re­rin war laut der Fami­lie Kreuz schon zuvor durch aggres­si­ves Ver­hal­ten aufgefallen. 

Die Bil­dungs­stu­die Rom­noK­her von 2021 zur Lage der Sin­ti und Roma in Deutsch­land zeigt auf, dass über 60% von Sin­ti und Roma in der Schul­zeit Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund ihrer Zuge­hö­rig­keit zur deut­schen Min­der­heit erfah­ren. Etwa 50% gaben an, in der Schu­le phy­si­sche Gewalt erlebt zu haben. Und 25% der Befrag­ten gab an von Lehr­kräf­ten dis­kri­mi­niert wor­den zu sein.
Anti­zi­ga­nis­mus, Ras­sis­mus und Aus­gren­zung gegen­über Sin­ti und Roma, ist ein weit ver­brei­te­tes und tief ver­wur­zel­tes Phä­no­men. 2016 wur­de die Min­der­heit in den Lehr­plä­nen Baden-Würt­tem­bergs ver­an­kert um auf­zu­klä­ren und Vor­ur­tei­le abzu­bau­en. Dem kom­men aber bis­her die wenigs­ten Lehr­kräf­te nach.

Fami­lie Kreuz:

„Das war Anti­zi­ga­nis­mus, 100 Pro­zent! Das Ver­hal­ten der Schu­le deu­te­te schon län­ger dar­auf hin. Sie haben kein Ver­trau­en in uns und behan­delt uns anders als ande­re Familien.“

Dani­el Strauß, Vor­stands­vor­sit­zen­der des VDSR-BW: 

„Bis heu­te wer­den Sin­ti und Roma Stei­ne in den Bil­dungs­weg gelegt. Vie­le bre­chen auf­grund von Dis­kri­mi­nie­rung die Schu­le ab. Ande­re wer­den auf För­der­schu­len ver­wie­sen ohne beson­de­ren Anlass. Der Vor­fall in Baden-Baden zeigt auf eine sehr trau­ri­ge Art, wohin die­se Vor­ur­tei­le füh­ren können.”


Ihr Pres­se­kon­takt:
Cha­na Dische­reit I E‑Mail: presse@sinti-roma.com I Tel. 0621–911091-00

Ein Beitrag von CD/IR,
erstellt am 24.02.2026

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