Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Baden-Württemberg legt Minderheitenbericht 2025 vor
Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Baden-Württemberg legt Minderheitenbericht 2025 vor

Anti­zi­ga­nis­mus mess­bar und struk­tu­rell / Wach­sen­de Bera­tungs­nach­fra­ge / Lan­des­pro­jek­te erfolgreich

Der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma — Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg (VDSR-BW) ver­öf­fent­licht heu­te sei­nen Min­der­hei­ten­be­richt 2025. Der Bericht ist im Staats­ver­trag mit dem Land Baden-Würt­tem­berg ver­an­kert und zugleich der jähr­li­che Tätig­keits­be­richt des Ver­ban­des. Er steht unter https://​www​.sin​ti​-roma​.com/​u​e​b​e​r​-​u​n​s​/​m​i​n​d​e​r​h​e​i​t​e​n​b​e​r​i​c​h​te/ zur Verfügung.

Anti­zi­ga­nis­mus: mess­bar, struk­tu­rell, kaum anerkannt

2025 doku­men­tier­te der VDSR-BW über 90 anti­zi­ga­nis­ti­sche Vor­fäl­le in Baden-Würt­tem­berg, davon rund 80 Pro­zent Dis­kri­mi­nie­rungs­fäl­le. Häu­figs­ter Ort des Gesche­hens sind Behör­den (25 Pro­zent) vor allem Job­cen­ter und Aus­län­der­be­hör­den. Ukrai­ni­sche Roma-Fami­li­en wer­den über­pro­por­tio­nal in Kin­des­wohl­ver­fah­ren hin­ein­ge­zo­gen, weil feh­len­de Doku­men­te und unre­gel­mä­ßi­ger Schul­be­such nicht als his­to­risch beding­te Fol­gen von Aus­gren­zung erkannt, son­dern als indi­vi­du­el­le Ver­säum­nis­se gewer­tet wer­den. Job­cen­ter unter­brei­ten ukrai­ni­schen Roma sys­te­ma­tisch kei­ne Inte­gra­ti­ons­an­ge­bo­te. Baden-Würt­tem­berg hat als ers­tes Bun­des­land einen Staats­ver­trag mit einem Lan­des­ver­band der Sin­ti- und Roma geschlos­sen. Es wäre fol­ge­rich­tig, auch eine eige­ne Mel­de- und Infor­ma­ti­ons­stel­le Anti­zi­ga­nis­mus einzurichten.

Ver­bands­ar­beit jen­seits des Staatsvertrags

Der Staats­ver­trag sichert die Kern­auf­ga­ben ab, dar­un­ter die Bera­tungs­stel­le für gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be mit 399 Ein­zel­fall­be­ra­tun­gen im Jahr 2025 sowie Bil­dungs­ar­beit im außer­schu­li­schen Lern­ort Rom­noK­her. Die Roma­nes-Sprach­schu­le, bun­des­weit die ein­zi­ge ihrer Art, ver­zeich­net über 30 Per­so­nen auf der War­te­lis­te. Die durch Mit­tel des Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums geför­der­ten Lan­des­pro­jek­te ReFIT und INTURO rich­ten sich an Kom­mu­nen, Schu­len und Behör­den: 272 Schu­lungs­teil­neh­men­de, 98 mobi­le Bera­tun­gen in 17 Gemein­den, hun­der­te beglei­te­te geflüch­te­te Roma. ReFIT läuft bis Ende 2026, INTURO bis August 2026. Der VDRS-BW hofft auf die Wei­ter­füh­rung der erfolg­rei­chen Zusam­men­ar­beit mit dem Sozi­al­mi­nis­te­ri­um Baden-Württemberg.

Die Min­der­heit ist beunruhigt

Ange­hö­ri­ge der Min­der­heit, dar­un­ter vie­le Nach­kom­men von Holo­caust-Über­le­ben­den, wen­den sich mit wach­sen­den Sor­gen an den Ver­band. Die Zunah­me rechts­po­pu­lis­ti­scher Posi­tio­nen in Par­la­men­ten wird nicht als abs­trak­te Ent­wick­lung wahr­ge­nom­men, son­dern als bekann­tes Mus­ter. Dani­el Strauß, Vor­sit­zen­der des VDSR-BW, hält im Bericht fest: “Die­se Reak­tio­nen sind kei­ne Über­emp­find­lich­keit. Sie sind his­to­risch fun­dier­te Ein­ord­nun­gen einer Gegen­wart, die Par­al­le­len zur Ver­gan­gen­heit zeigt.”

Über den VDSR-BW:

Der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V., ist die poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung der Sin­ti und Roma im Land. Er setzt sich für die Bür­ger­rech­te der Min­der­heit, die Bekämp­fung des Anti­zi­ga­nis­mus sowie für den Erhalt und die För­de­rung der Kul­tur und Spra­che (Roma­nes) ein.

Beitrag erstellt am 23.06.2026

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Treten Sie mit uns in Kontakt: