Solidarität mit den Sinti und Roma Europas in der Corona-Krise
Solidarität mit den Sinti und Roma Europas in der Corona-Krise

Als Mit­glied im Bünd­nis für Soli­da­ri­tät mit den Sin­ti und Roma Euro­pas unter­stützt der VDSR-BW die fol­gen­de Erklä­rung zum Romaday.

Das Bünd­nis für Soli­da­ri­tät mit den Sin­ti und Roma Euro­pas ist alar­miert: Durch die Coro­na-Kri­se kämp­fen schon jetzt vie­le Roma in Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa ums Über­le­ben. Die Situa­ti­on spitzt sich wei­ter zu. Außer­dem dro­hen Pogro­me und ras­sis­ti­sche Übergriffe.

Die welt­wei­te, durch das Coro­na­vi­rus aus­ge­lös­te Kri­se trifft beson­ders die Minderheit(en) der Roma in Euro­pa hart. Bereits vor der Kri­se wur­den sie durch struk­tu­rel­le und all­täg­li­che Dis­kri­mi­nie­rung oft an den Rand der Gesell­schaft und des Über­le­bens gedrängt. Die Bekämp­fung der Covid-19-Pan­de­mie erfor­dert schnel­le und effek­ti­ve Ent­schei­dun­gen von Poli­tik und Ver­wal­tung, ein­schließ­lich der Ein­schrän­kung der Bür­ger­rech­te. Doch in vie­len Län­dern ins­be­son­de­re Ost- und Süd­ost­eu­ro­pas wird die Angst vor der Pan­de­mie zur ver­schärf­ten Stim­mungs­ma­che gegen Roma miss­braucht. Wegen der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen dro­hen vie­ler­orts Hun­gers­nö­te. Alte, wie­der­be­leb­te Res­sen­ti­ments füh­ren zu ras­sis­ti­schen Über­grif­fen und will­kür­li­chen Unter­drü­ckungs­maß­nah­men. Der oft feh­len­de Zugang zu sau­be­rem Was­ser und zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung hat selbst für jun­ge, gesun­de Men­schen fata­le Fol­gen. Dem dür­fen wir nicht taten­los zusehen!

Laut Mel­dun­gen des Ber­li­ner „Tages­spie­gels“ vom 26. März 2020 wur­den in Bul­ga­ri­en Roma der Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus beschul­digt, ihre Sied­lun­gen in Nowa Sago­ra, Kas­an­lak und Sli­wen mit ins­ge­samt ca. 50.000 Men­schen dar­auf­hin abge­rie­gelt und damit von jeg­li­cher medi­zi­ni­scher Hil­fe und der Ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln abge­schnit­ten. Glei­che For­de­run­gen wer­den auch in Rumä­ni­en laut, wo – ähn­lich wie in der Slo­wa­kei – in vie­len Roma-Sied­lun­gen dau­er­haft der Zugang zu Trink­was­ser fehlt. Auch Racial Pro­filing macht sich bemerk­bar: In Nord­ma­ze­do­ni­en wur­den durch die Grenz­po­li­zei von 200 Rei­sen­den aus Öster­reich und Ita­li­en ledig­lich neun Roma-Musi­ker in eine Qua­ran­tä­ne gezwun­gen, die Übri­gen in eine häus­li­che Iso­la­ti­on ent­las­sen. Und auch in den öster­rei­chi­schen Städ­ten Linz und St. Pöl­ten het­zen Kom­mu­nal­po­li­ti­ker der rechts­po­pu­lis­ti­schen FPÖ gegen Sin­ti und Roma. Roma­ni Rose, Vor­sit­zen­der des Zen­tral­rats Deut­scher Sin­ti und Roma, for­der­te am 25. März 2020 zu recht: „Roma dür­fen nicht erneut als Sün­den­bö­cke von Natio­na­lis­ten und Ras­sis­ten miss­braucht werden.“

Mit gro­ßer Sor­ge beob­ach­tet das Bünd­nis für Soli­da­ri­tät mit den Sin­ti und Roma Euro­pas die­se Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se auf Sin­ti und Roma. Der (tem­po­rä­re) Abbau von Grund­rech­ten wie der Bewe­gungs­frei­heit wirkt sich lebens­be­droh­lich auf die Situa­ti­on von Roma vor allem in ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern aus.

Die Mit­glie­der des Bünd­nis­ses for­dern daher:

1. den sofor­ti­gen Schutz von Roma und Sin­ti gegen ras­sis­ti­sche Hetze:

Wir rufen alle euro­päi­schen Regie­run­gen, Medi­en und loka­len Ver­wal­tun­gen dazu auf, Roma und Sin­ti vor einer Eth­ni­sie­rung der Coro­na-Kri­se und damit ein­her­ge­hen­den Maß­nah­men und Über­grif­fen zu schützen.

2. die umge­hen­de Unter­las­sung sämt­li­cher dis­kri­mi­nie­ren­der Maß­nah­men gegen Roma:

Wir for­dern die euro­päi­sche Poli­tik dazu auf, die demo­kra­ti­schen Rech­te aller ihrer Staats­an­ge­hö­ri­gen – und der Roma und Sin­ti als gefähr­de­te Min­der­hei­ten im Beson­de­ren – zu ach­ten und umzusetzen.

3. den Ein­be­zug von Roma in die Unter­stüt­zungs­maß­nah­men: Dis­kri­mi­nie­rung und sozia­le Aus­gren­zung haben zu einer Situa­ti­on geführt, in der eine gro­ße Anzahl von Roma in infor­mel­len Jobs und Unter­neh­men arbei­tet, die wäh­rend der Coro­na-bezo­ge­nen Ein­schrän­kun­gen des öffent­li­chen Lebens nicht wei­ter bestehen kön­nen. Wir for­dern die Aus­wei­tung der Unter­stüt­zungs­maß­nah­men auf mar­gi­na­li­sier­te Grup­pen und die Ver­sor­gung mit Nah­rung, sau­be­rem Was­ser und medi­zi­ni­scher Hilfe.

https://romaday.org

Auch ein­zel­ne Bünd­nis­mit­glie­der haben wich­ti­ge Initia­ti­ven zum glei­chen The­ma ergrif­fen:
Hier geht es zur Peti­ti­on von Romeo Franz, Mit­glied des Euro­päi­schen Par­la­ments:
http://chng.it/kTbqHHj9PL

Hier geht es zum gemein­sa­men State­ment des Zen­tral­rats Deut­scher Sin­ti und Roma mit ande­ren euro­päi­schen Orga­ni­sa­tio­nen:
https://zentralrat.sintiundroma.de/roma-auf-dem-westbalkan-und-in-der-tuerkei-sind-durch-die-covid-19-pandemie-ernsthaft-bedroht/

Beitrag erstellt am 08.04.2020

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