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Prozess gegen Singener Polizeibeamten startet Weiterentwicklung im Fall „Kind in Handschellen abgeführt“
Prozess gegen Singener Polizeibeamten startet Weiterentwicklung im Fall „Kind in Handschellen abgeführt“

Am 5. Mai beginnt vor dem Amts­ge­richt Sin­gen der Pro­zess gegen zwei der vier Sin­ge­ner Beam­ten, die am 6. Febru­ar 2021 ein elf­jäh­ri­ges Kind in Hand­schel­len auf die Poli­zei­wa­che gebracht hat­ten. Die Beam­ten wer­den der Frei­heits­be­rau­bung und Nöti­gung beschul­digt. Bereits im Okto­ber letz­ten Jah­res hat­te die Staats­an­walt­schaft Kon­stanz gegen zwei Beam­te Straf­be­feh­le aus­ge­stellt. Gegen die Straf­be­feh­le wur­de Beru­fung ein­ge­legt. Gegen zwei wei­te­re tat­ver­däch­ti­ge Beam­te ist das Ver­fah­ren gegen Auf­la­gen ein­ge­stellt wor­den. Der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg unter­stützt die betrof­fe­ne Fami­lie. Sie wird in der Neben­kla­ge durch den Rechts­an­walt Engin Şan­lı vertreten. 

Die nächs­te Ver­hand­lung ist für den 12. Mai angesetzt. 

Engin Şan­lı, Rechtsanwalt: 

„Kin­der dür­fen von poli­zei­li­cher Gewalt nicht berührt wer­den. Der Pro­zess spielt eine wich­ti­ge Rol­le in der Auf­ar­bei­tung von poli­zei­li­cher Behand­lung von Kin­dern – ins­be­son­de­re von Kin­dern, die einer Min­der­heit ange­hö­ren. Es ist zu bedau­ern, dass bis heu­te kei­ne Ent­schul­di­gung bezüg­lich der Tat erfolgt ist. Daher bli­cken wir mit gro­ßem Inter­es­se auf die Hauptverhandlung.“ 

Dani­el Strauß, Vor­sit­zen­der des VDSR-BW:

„Mit Innen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl habe ich eine sys­te­ma­ti­sche Betei­li­gung des VDSR-BW an der Poli­zei­aus- und ‑fort­bil­dung in Baden-Würt­tem­berg ver­ein­bart, um ein dau­er­haf­tes Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen der Poli­zei und der deut­schen natio­na­len Min­der­heit der Sin­ti und Roma sowie zuge­wan­der­ten Roma zu eta­blie­ren. Der VDSR-BW und die Lan­des­po­li­zei haben einen Lehr­plan erar­bei­tet, der seit April umge­setzt wird und The­men wie Anti­zi­ga­nis­mus oder Geschich­te und Gegen­wart der Sin­ti und Roma behan­delt. Wir hof­fen auf eine nach­hal­ti­ge Verbesserung.“


Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

In einem Hoch­haus in Sin­gen hat­ten Anfang Febru­ar zwei Kin­der auf einem Bal­kon im Trep­pen­haus gespielt. Als zwei Poli­zei­be­am­te Aus­kunft über die Per­so­na­li­en ver­lang­ten, wur­de eines der Kin­der gefragt, ob es von „der Zigeu­ner­fa­mi­lie“ sei. Zwei wei­te­re Kin­der wur­den wäh­rend­des­sen von zwei Beam­ten vor dem Haus befragt. Als die zwei Beam­ten das Hoch­haus ver­lie­ßen, nah­men sie erneut die Per­so­na­li­en der Kin­der auf, die unten vor dem Haus gespielt hat­ten. Hier­bei wur­de eines der Kin­der sinn­ge­mäß mit den Wor­ten „Einer von den Zigeu­nern, die ken­nen wir ja“, „Du kommst eine Nacht hin­ter Git­ter“ und „Der Tod kommt dich holen“ bedroht.
Ohne ersicht­li­chen Anlass führ­ten die Beam­ten dar­auf­hin einen elf­jäh­ri­gen Jun­gen in Hand­schel­len ab. Das Kind wur­de im Ver­hör­zim­mer fest­ge­hal­ten und spä­ter allei­ne nach Hau­se geschickt. Die Mut­ter hat­te auf der Poli­zei­wa­che ange­ru­fen, doch kei­ne Aus­kunft erhal­ten. Auch im Nach­gang hat die Mut­ter kei­ne Aus­kunft erhal­ten, war­um ihr Kind auf der Wache fest­ge­hal­ten wurde. 

Sie­he auch die Pres­se­mit­tei­lung des Ver­bands am 22.10.2021, 09.03.2021 und 10.02.2021: www.sinti-roma.com/presse/pressemitteilungen/.


Ansprech­part­ne­rin für Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit: 
Cha­na Dische­reit cd@sinti-roma.com Tel.: 0621 911091–00 Mobil: 01590 139094

Beitrag erstellt am 04.05.2022

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