Der Minderheitenbericht 2025 liegt vor. Er erscheint auf Grundlage des Staatsvertrags mit dem Land Baden-Württemberg und dokumentiert die Lage der deutschen Sinti und Roma im vergangenen Jahr. Es ist der erste Bericht, den wir der neuen Landesregierung vorlegen, und wir freuen uns auf die Fortsetzung der bewährten Zusammenarbeit.
Beratung und Antiziganismus
Die Beratungsstelle für gleichberechtigte Teilhabe hat 2025 insgesamt 399 Einzelfallberatungen geleistet. Parallel dokumentierte der VDSR-BW über 90 antiziganistische Vorfälle in Baden-Württemberg, davon an die 80 Diskriminierungsfälle mit Schwerpunkten in Behörden und auf dem Wohnungsmarkt. Die Kooperation mit der bundesweiten Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA), die 2025 mit einer Kooperationsvereinbarung formalisiert wurde, stärkt die Dokumentationsarbeit und macht Antiziganismus sichtbarer.
„2025 war ein Jahr mit klaren Befunden – und mit vielen Momenten, die zeigen, wofür wir stehen. Antiziganismus ist messbar und bekämpfbar. Bildung, Beratung und Kultur sind kein Selbstzweck, sondern Grundlage für gleichberechtigte Teilhabe. Dort, wo der Staatsvertrag wirkt, entsteht etwas Dauerhaftes. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung.“
Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender VDSR-BW
Bildung: Außerschulischer Lernort RomnoKher
Der Außerschulische Lernort RomnoKher hat sich 2025 weiter als anerkannte Bildungseinrichtung etabliert. Schulklassen, Universitäten, Vereine, Träger der politischen Bildung u.a. greifen auf seine Expertise zurück. Ein Höhepunkt war die Projektwoche rund um die Ausstellung „Vinzenz Rose – Einer von uns?!”: Schülerinnen und Schüler der Waldschule Mannheim erarbeiteten Geschichte an realen Orten, besuchten die Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg und gestalteten die Finissage mit. Auch die Kooperation mit dem Stadtarchiv MARCHIVUM wurde vertieft. Das Team investierte intensiv in Fortbildung: Studienreisen zu Gedenkstätten in Polen, eine Qualifizierung zur Museumspädagogik und die Teilnahme am Deutschen Historikertag bilden die fachliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit.
Begegnungsprogramm an den Polizeihochschulen
Seit 2022 führt der VDSR-BW an den Standorten der Polizeihochschulen in Lahr, Herrenberg und Wertheim ein Begegnungs- und Fortbildungsprogramm für Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter durch. 2025 wurden rund acht Klassen mit je 20 bis 30 Teilnehmenden erreicht. Für die angehenden Polizist*innen ist diese Schulung verbindlich. Das Format verbindet einen wissenschaftlichen Vortrag zur Geschichte von Minderheit und Polizei mit einem direkten Begegnungsgespräch mit Angehörigen der Sinti und Roma. Die Rückmeldungen aus dem Jahr 2025 zeigen ein wachsendes Verständnis und echtes Interesse an einem diskriminierungsfreien Miteinander. Das Programm wird im Jahr 2026 an weiteren Standorten fortgeführt.
Kultur und Empowerment: RomnoPower-Kulturwoche
Die RomnoPower-Kulturwoche vom 19. bis 28. September 2025 war ein eindrucksvoller Ausdruck kultureller Stärke und Gemeinschaft. Den Auftakt bildete ein Romani-Ukraine-Begegnungsabend mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Rom:nja in der Ukraine 1941–1944”, die rund 120 Personen sahen. Die Filmreihe „Die dritte Generation erzählt” zeigte im Cinema Quadrat Mannheim drei Filme über Erinnerung, Identität und Verantwortung. Den Rukeli-Trollmann-Preis erhielten im Jahr 2025 Andrea Laux, Noa Karavan und Rita Trollmann – drei Frauen, die für Engagement, Würde und Sichtbarkeit stehen. Den musikalischen Höhepunkt bildete das Konzert des Violinisten June Heilig vor rund 70 Gästen im Kulturhaus RomnoKher.
Download
Der Minderheitenbericht 2025 steht hier als PDF zum Download bereit.