Mit zwei Veranstaltungen hat das Projekt ReFIT am 9. Oktober 2026 in Freiburg das Thema Bildung in den Mittelpunkt gestellt. Vormittags las Kinderbuchautorin Shlica Weiß vor einer Grundschulklasse, abends berichteten sechs Frauen aus der Minderheit im Kommunalen Kino von ihren Bildungswegen.
Lesung im Adolph-Reichwein-Bildungshaus
Rund 25 Kinder einer 3. Klasse erlebten die Lesung aus „Reili und Reilo” von Shlica Weiß. Die Geschichte traf ihre eigene Lebenswelt, entsprechend lebhaft war der Austausch im Anschluss. Die Kinder beantworteten Fragen der Autorin und stellten selbst viele Fragen.
Danach erhielt jedes Kind ein Heft, das die Illustratorin Josefine Taape vorbereitet hatte. Darin malten und schrieben die Kinder eigene Geschichten. Zum Abschluss wurden die gestalteten Titelseiten per Beamer gezeigt und von der ganzen Klasse gefeiert. Das schönste Kompliment kam zum Schluss: Ob Shlica Weiß noch ein zweites Buch schreibe und dann wiederkomme, um daraus vorzulesen.
Starke Stimmen. Empowerment durch Bildung
Am Abend kamen rund 18 Gäste ins Kommunale Kino Freiburg, darunter der Leiter des Adolph-Reichwein-Bildungshauses. Luisa Lindenthal stellte zu Beginn den Verband und das Projekt ReFIT vor. Durch das Gespräch führte Marta Orsos.
Auf dem Podium: Sissy Meinhardt, Bildungsmediatorin aus Berlin, Shlica Weiß, Kinderbuchautorin, Sozialpädagogin und Aktivistin aus Hamburg, Manja Schuecker-Weiß, Projektleitung „Starke Stimmen 2.0″ aus Göttingen, Coralla Reinhardt, Bildungsberaterin beim Nachbarschaftswerk Weingarten und Vorstand im Sinti-Verein Freiburg, Griassa Reinhardt, Bildungsberaterin beim Nachbarschaftswerk Weingarten, Giuliana Reinhardt, Jugendarbeit im Sinti-Verein Freiburg und Mitarbeiterin im städtischen Projekt „ROSI”
Die Frauen sprachen offen über ihre Erfahrungen in Schule und Ausbildung. Zunächst ging es um Hürden: strukturellen Antiziganismus ebenso wie rassistisches Verhalten einzelner Personen. Danach rückte in den Blick, was ihre Wege gestärkt hat. Genannt wurden Lehrkräfte, die an sie geglaubt haben, die eigene Familie, Glaube und Resilienz. Der lebendige Austausch auf dem Podium sprang schnell aufs Publikum über, das sich mit eigenen Fragen und Beiträgen einbrachte. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Essen aus.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Interkulturellen Wochen statt, in Kooperation mit der RomnoKher gGmbH (Projekt Starke Stimmen 2.0) und den Bildungsberaterinnen des Nachbarschaftswerks Freiburg. Gefördert durch die Stiftung EVZ.
Hinweis: Fachtagung „Ungleiche Teilhabe” am 11. November
Wie es um Bildungsgerechtigkeit in Freiburg steht, ist am 11. November 2026 Thema der Fachtagung „Ungleiche Teilhabe. Bildungserfahrungen und Perspektiven von Romnja und Sintize in der Stadt Freiburg”. Im Mittelpunkt steht unsere partizipative Studie, für die wir junge Frauen aus der Minderheit zu ihren Bildungserfahrungen befragt haben. Aus den Ergebnissen haben wir Hinweise auf notwendige strukturelle Veränderungen im Bildungssystem abgeleitet.
Prof. Dr. Karin Cudak stellt die Studie vor, dazu gibt es Workshops und eine Podiumsdiskussion. Der VDSR-BW spricht das Grußwort, ist auf dem Podium vertreten und leitet eine der Arbeitsgruppen. Die Tagung richtet sich an pädagogische Fachkräfte und Interessierte. Veranstalter sind die Stadt Freiburg im Breisgau und der VDSR-BW.
Mittwoch, 11. November 2026, 14:00 bis 17:30 Uhr, Einlass ab 13:30 Uhr
Glashaus im Rieselfeld, Freiburg
Anmeldung: eveeno.com/382820576
Über ReFIT
ReFIT steht für Regionale Förderung von Inklusion und Teilhabe. Das Projekt ist Teil der Beratungsstelle für gleichberechtigte Teilhabe des VDSR-BW. Als Landesverband vertritt der VDSR-BW auf Grundlage des Staatsvertrags mit dem Land Baden-Württemberg die Sinti und Roma im Land und setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe an Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben ein.
Kontakt: refit@sinti-roma.com