Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma, 2. August 2020. Bild: Markus Mertens
Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma, 2. August 2020. Bild: Markus Mertens
„… die sind alle verbrannt worden“
„… die sind alle verbrannt worden“

Work­shop und Gedenk­fei­er in Ber­lin zum Tag des Geden­kens an die Opfer des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mords an den Sin­ti und Roma Euro­pas – Euro­pean Holo­caust Memo­ri­al Day for Sin­ti and Roma

Am 2. August 1944, als die letz­ten Häft­lin­ge, die im „Zigeu­ner­fa­mi­li­en­la­ger“ von Ausch­witz-Bir­ken­au geblie­ben waren, über 4.200 Men­schen, Kin­der, Frau­en, älte­re Män­ner, in den Gas­kam­mern ermor­det wur­den, erreich­te nicht nur die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ver­nich­tungs­po­li­tik gegen Sin­ti und Roma ihren schreck­li­chen Höhe­punkt. An die­sem Tag wur­de end­gül­tig die gemein­sa­me Geschich­te der deut­schen Sin­ti und Nicht-Sin­ti, der deut­schen Roma und Nicht-Roma, der Deut­schen mit und ohne Roma­ni-Hin­ter­grund zer­ris­sen. Der Völ­ker­mord an den Sin­ti und Roma zer­stör­te jahr­hun­der­te­al­te Lebens­zu­sam­men­hän­ge. In ganz Euro­pa wur­den eine hal­be Mil­li­on Sin­ti und Roma ermor­det – und es wären mehr gewor­den, wenn SS und Wehr­macht die Roma Ost­eu­ro­pas lücken­los hät­ten erfas­sen können.

Das Wis­sen über die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ver­nich­tung der Sin­ti und Roma ist nicht weit ver­brei­tet, das zei­gen Umfra­gen und Stu­di­en immer wie­der. Die Aus­beu­tung, die Depor­ta­tio­nen und der Völ­ker­mord an den deut­schen Sin­ti und Roma sind in der Öffent­lich­keit wenig prä­sent. Noch weni­ger sind es das Mor­den im Osten, wo Roma oft zusam­men mit Juden erschos­sen wur­den, oder der euro­pa­wei­te Wider­stand von Sin­ti und Roma, die in den Lagern Auf­stän­de wag­ten oder sich Par­ti­sa­nen­ver­bän­den und der Résis­tance anschlos­sen. Selbst die For­schung steckt noch in den Anfängen.

Nach 1945 dau­er­te es Genera­tio­nen, um das Wis­sen von den eins­ti­gen Gemein­sam­kei­ten wie­der zu ber­gen und neue Gemein­sam­kei­ten zu stif­ten. Aber die­ses Wis­sen und die­se Gemein­sam­kei­ten sind auch heu­te noch zer­brech­lich. Dar­an wur­den Sin­ti und Roma in die­sen Wochen durch Nach­rich­ten erin­nert, dass auf­grund von Plä­nen der Deut­schen Bahn und des Senats von Ber­lin das Denk­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma Euro­pas gefähr­det ist. Aus die­sem Grund hat sich das Akti­ons­bünd­nis „Unser Denk­mal ist unan­tast­bar!“ gegrün­det, dem auch der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg angehört.

Der VDSR-BW führ­te am 2. August am Denk­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma Euro­pas einen Work­shop über die Erin­ne­run­gen drei­er Genera­tio­nen an den Völ­ker­mord durch. Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer waren auch am Geden­ken an die Ermor­dung der letz­ten Sin­ti und Roma in Ausch­witz-Bir­ken­au 1944 am sel­ben Abend betei­ligt. Die jähr­li­che Gedenk­stun­de, die 2020 unter dem Titel „… die sind alle ver­brannt wor­den“ stand, wird von der Stif­tung Denk­mal für die ermor­de­ten Juden Euro­pas, Rom­noK­her, der Hil­de­gard Lag­ren­ne Stif­tung und Roma­Tri­al gemein­sam veranstaltet.

Nach einer Begrü­ßung von Uwe Neu­mär­ker, Direk­tor der Stif­tung Denk­mal, wur­den „Erin­ne­rungs­split­ter“, sie­ben Pas­sa­gen aus Zeit­zeu­gen­be­rich­ten zum 2. August 1944, sowie „Gegen­warts­split­ter“, drei Pas­sa­gen aus aktu­el­len Mel­dun­gen zur Situa­ti­on von Sin­ti und Roma in Euro­pa, gele­sen. Vom Akti­ons­bünd­nis „Unser Denk­mal ist unan­tast­bar!“ gestal­te­ten Ben­ja­min Har­ter von der Ini­ta­ti­ve Sin­ti-Roma-Pri­de und Vere­na Leh­mann (Initia­ti­ve Sin­ti-Roma-Pri­de und VDSR-BW) das Pro­gramm die­ses Gedenk­abends am Denk­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma Euro­pas mit.

Beitrag erstellt am 03.08.2020

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