Am 20.01.2026 soll eine Lehrerin der Theodor-Heuss Schule Baden-Baden einer 10-jährigen Schülerin einen Finger gebrochen haben. Die Familie wendete sich an die Beratungsstelle des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg und zeigte die Lehrerin einen Tag später bei der Polizei an. Das Schulamt wurde daraufhin kontaktiert und eine Beschwerde gegen die Lehrerin eingeleitet.
Aurora-Mia saß an ihrem Platz und legte den Kopf auf ihre aufgestützte Hand. Eine Pose, die sie oft beim Nachdenken einnimmt. Als die Lehrerin das sah, schlug sie Aurora-Mias Arm auf den Tisch. Das Kind blieb vor Angst sitzen. Erst als die Schule zu Ende war und ihre Mutter sie abholte, erzählte sie, was passiert war. Die Mutter stellte daraufhin die Lehrerin noch auf dem Schulgelände zur Rede. Diese gab zu, dass sie die Hand ihrer Tochter auf den Tisch geschlagen habe, jedoch nur leicht. Der Arzt stellte am selben Tag fest, dass Aurora-Mias Fingerknochen gesplittert war.
Die Schülerin erfährt nun allerdings Ausgrenzung an ihrer Schule, weil ihre Familie sich gewehrt hat. Aurora-Mia berichtet, dass sie aktuell von Schüler*innen gemieden wird. Die beschuldigte Lehrerin war laut der Familie Kreuz schon zuvor durch aggressives Verhalten aufgefallen.
Die Bildungsstudie RomnoKher von 2021 zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland zeigt auf, dass über 60% von Sinti und Roma in der Schulzeit Diskriminierung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit erfahren. Etwa 50% gaben an, in der Schule physische Gewalt erlebt zu haben. Und 25% der Befragten gab an von Lehrkräften diskriminiert worden zu sein.
Antiziganismus, Rassismus und Ausgrenzung gegenüber Sinti und Roma, ist ein weit verbreitetes und tief verwurzeltes Phänomen. 2016 wurde die Minderheit in den Lehrplänen Baden-Württembergs verankert um aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Dem kommen aber bisher die wenigsten Lehrkräfte nach.
Familie Kreuz:
„Das war Antiziganismus, 100 Prozent! Das Verhalten der Schule deutete schon länger darauf hin. Sie haben kein Vertrauen in uns und behandelt uns anders als andere Familien.“
Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender des VDSR-BW:
„Bis heute werden Sinti und Roma Steine in den Bildungsweg gelegt. Viele brechen aufgrund von Diskriminierung die Schule ab. Andere werden auf Förderschulen verwiesen ohne besonderen Anlass. Der Vorfall in Baden-Baden zeigt auf eine sehr traurige Art, wohin diese Vorurteile führen können.”
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